Bienen-Business statt Startup – Imkermeister Ferdinand Keidel

Wir tuckern über einen holprigen Feldweg, geradewegs in die Natur. Neben uns blühende Landschaft, viel Grün, hier und da Wildblumen. Ein paar Minuten, dann sind wir da und steigen vom Auto ins hohe Gras. Sofort spürt man das vibrierende Summen in der Luft. Die Bienen tanzen in der Sonne. 

Das ist der Arbeitsplatz von Ferdinand Keidel aus dem osthessischen Leibolz. Kein höhenverstellbarer Schreibtisch, kein ultrasmarter Laptop, keine Meetings in Büros mit Teppichboden und monotoner Tapete. Stattdessen: ein hellblauer Himmel voller frischer Luft und eine ganze Armee fleißiger Insekten. Die produzieren das, was gern als flüssiges Gold bezeichnet wird: Honig. 

Ferdinand hat sich nach dem Fachabitur weder für eine Rucksackreise durchs Ausland, noch für ein Studium in einer Großstadt entschieden. Der 24-Jährige war weitaus mutiger. 2014 beginnt er die Ausbildung zum Tierwirt mit der Fachrichtung Imkerei. Fünf Jahre später ist er Imkermeister und Herr über mehrere Bienenvölker. Drei Tage in der Woche forscht er außerdem am Institut für Bienenkunde und Imkerei in Veitshöchheim, in der Nähe von Würzburg. 

Ausschließlich romantisch ist der Alltag als Imker natürlich nicht. Er bedeutet vor allem harte Arbeit. Die Bienen kennen kein Wochenende, keine Feiertage. Während der Sommer in die Honigproduktion fließt, ist der Winter für die Weihnachtsmärkte in der Region reserviert. Statt Glühwein und Crepes verkauft Ferdinand hier Honigpunsch und -waffeln. Das kommt gut an, nicht erst seit Industriezucker als Krankmacher verschrien ist. Der Trend zu regionalen Produkten tut sein Übriges. Die Menschen stehen Schlange vor der kleinen Holzhütte mit dem jungen Imker.

Ohne Hilfe ist die wachsende Nachfrage nach heimischem Honig nicht zu bewältigen. Ferdinand erhält großartige Unterstützung von seiner Familie. Mama Anita begleitet ihren Sohn auf die Wochenmärkte, schenkt Punsch aus, backt Waffeln, nimmt sich Zeit für die Kunden. Freundin Constanze organisiert die Social-Media-Kanäle. Ein eigener Hofladen und Lagerhallen sind in Planung, bei der Umsetzung hilft Vater Helmut.

Es ist beeindruckend, wie zielstrebig und gleichzeitig besonnen Ferdinand seinen Weg als Imker geht. Ein ungewöhnlicher Weg, das muss man zugeben, immerhin ist er Teil einer Generation, für die es gern höher, schneller, weiter sein darf. Am besten digital, vor den Augen der ganzen Welt. Die Entscheidung, in der osthessischen Heimat zu bleiben, eine Ausbildung zu absolvieren, noch dazu in einem traditionellen Beruf – das erfordert Mut. Und Weitblick.

Deutscher Honig steht für Qualität, das Imkern gilt als wertvolles Handwerk mit Geschichte. Und trotz aller Traditionen ist es seiner Zeit voraus. Grüne Startups schreiben sich die Nähe zur Umwelt zu gern auf die Fahne. Hier liegt das in der Natur der Sache, wortwörtlich. Ferdinand Keidel hat das früh erkannt. Und seine Karte auf das Bienen-Business gesetzt. Die Belohnung? Flüssiges Gold.